Das Kapsys Smartvision2: ein modernes Smartphone mit Tastatur

Hallo,
2015 habe ich mir mein erstes Smartphone gekauft, das Smartvision, welches ich euch auch in einem Beitrag vorgestellt habe. Da das Gerät aber immer fehleranfälliger wurde und das ein oder andere technische Problem auftrat, habe ich mich Ende 2019 nach einem neuen Handy umgesehen. Da mich das Bedienkonzept der Firma Kapsys sehr überzeugt hat, entschied mich mich nach kurzem Zögern für den Nachfolger des Smartvision. Der Nachfolger heißt Smartvision2 und ist kurz vor Weihnachten bei mir eingezogen. In diesem Beitrag möchte ich Euch allgemeine Infos zum Gerät geben, aber auch von meinen persönlichen Erfahrungen berichten.

Informationen zum Gerät

Das Smartvision2 ist seit Ende 2016 auf dem Markt. Laut Kapsys handelt es sich bei dem Smartvision2 um das einzige Smartphone auf dem Markt, das sich auf drei Arten bedienen lässt: Touchscreen, Tastatur und Spracheingabe. Das Smartvision2 ist ungefähr so groß wie ein IPhone XS und liegt gut in der Hand. Im Lieferumfang ist eine Schutzhülle sowie eine Schutzfolie enthalten. Außerdem im Lieferumfang enthalten sind ein Trageband, ein paar Kopfhörer sowie ein USB-C-Ladekabel inkl. Adapter. Außerdem ist ein gedrucktes Handbuch in Schwarzschrift enthalten. Für Blinde gibt es ein umfangreiches deutschsprachiges Informationsangebot auf der Website der Firma Kapsys. Das Handbuch ist zudem auch auf dem Smartvision2 im Hilfe-Bereich installiert. Das Gerät kostet ca. 600 € und ist bei IPD, Optelec, Com-M und Marland erhältlich.

Wie sieht das Smartvision2 aus?

Das Smartvision2 ist – wie oben schon erwähnt – ungefähr so groß wie das IPhone XS und wiegt ca. 150 Gramm. Rechts auf der Oberseite befindet sich der Einschaltknopf. An der rechten Geräteseite befinden sich drei Tasten. Die oberste Taste dient dazu, den Google Assistant oder die Diktierfunktion zu aktivieren. Die beiden Tasten darunter sind für die Einstellung der Lautstärke gedacht. An der Unterseite befinden sich die Ladebuchse, der Lautsprecher sowie der Kopfhöreranschluss. Auf der Rückseite befindet sich die Kamera sowie ein SOS-Knopf. Auf der Vorderseite befindet sich oben in der Mitte die Frontkamera. Darunter folgt das große Display und darunter die Tastatur. Diese besteht aus einem Cursorkreuz, einer Ok-Taste, einer Home- und Zurück-Taste, einer Löschtaste sowie je einer Taste zum annehmen und beenden eines Anrufs. Darunter folgt die Zifferntastatur. Diese sieht genauso aus, wie man sie von einem Telefon oder Nokia-Handy kennt.

Was kann das Smartvision2?

Bereits von Haus aus sind schon viele nützliche Apps installiert.

  • Telefon
  • SMS
  • E-Mail
  • Playstore
  • Google
  • Google Assistant
  • Kalender
  • Dateiverwaltung
  • Geldschein-, Licht- und Farberkennung
  • Google Maps
  • Lupe
  • NFC
  • SOS-Funktion
  • Diktiergerät
  • Notizen
  • Taschenrechner
  • Uhr inkl. Timer, Stoppuhr und Wecker
  • Möglichkeit, eine Braillezeile per Bluetooth zu verbinden

All diese Funktionen sind bereits in der Basisversion enthalten. Wem das nicht reicht, der kann sich noch bis zu drei Premium-Apps dazukaufen: Eine Texterkennung, ein Fußgängernavi und einen Multimediaplayer. Diese Premium-Apps kann man erst mal für 15 Tage kostenlos testen, bevor man sich für oder gegen sie entscheidet. Das Smartvision2 unterstützt aber auch grundsätzlich alle Apps, die im Playstore heruntergeladen werden können, sofern diese mit Talkback, der Sprachausgabe von Android, zugänglich sind. Das sind zum Beispiel WhatsApp, Greta und Facebook. Welche Apps ich installiert und ausprobiert habe, dazu später mehr. Natürlich wird die Bedienung aller Funktionen vollständig von der Sprachausgabe unterstützt.

Meine Erfahrungen

Ich persönlich bin begeistert vom neuen Smartvision. Man merkt, dass sich Kapsys bei diesem Gerät wirklich etwas gedacht hat. Der Vorgänger wirkte eher wie ein Versuch ohne richtig durchdachtes Konzept. Das hat sich jetzt geändert. Mittlerweile ist zum Beispiel WhatsApp vollständig mit der Tastatur bedienbar. Das war bei der ersten Generation noch nicht der Fall. Mir gefällt es auch sehr gut, dass der Google Assistant mit einer Taste gestartet wird und nicht mit den Worten „OK Google“. Dies verhindert, dass man den Assistant auslöst, ohne dies zu wollen. Zwar basiert das Smartvision2 „nur“ auf Android 6.0, aber auch das stellt schon eine erhebliche Verbesserung zum Smartvision dar (Android 4.0). Durch die höhere Android-Version können deutlich mehr Apps installiert werden. Mir ist es bis jetzt nur ein oder zweimal passiert, dass ich eine App, die mich interessiert hat, nicht installieren konnnte, weil die Android-Version zu niedrig war. Außerdem wird das Smartvision2 im Gegensatz zum Smartvision regelmäßig mit kostenlosen Updates versorgt. Im Laufe der Zeit habe ich auch schon viele Apps und Spiele installiert, darunter unter anderem WhatsApp, Greta, ARD Audiothek, DB Streckenagent, einige Navi-Apps, Word und einen Schrittzähler. Weiterhin habe ich mehrere Quizspiele ausprobiert. Schade finde ich es, dass es für Android keine barrierefreien Simulationsspiele gibt, in denen man sich um ein Tier, einen Tierpark, eine Stadt etc. kümmert. Wenn ihr solche barrierefreien Spiele für Android kennt, schreibt sie gerne in die Kommentare. Ich habe mich gegen die Premium-Apps entschieden, da es im Playstore viele kostenlose Alternativen gibt. So nutze ich als Dokumentreader Word, als Navi Lazarillo und für die Texterkennung habe ich ein entsprechendes Programm auf dem PC. Bei meinem alten Smartvision kam es auch ab und an vor, dass die Sprachausgabe abgestürzt ist und nur noch mit Hilfe eines Sehenden wieder aktiviert werden konnte. Dieses Problem ist beim Smartvision2 bislang noch nicht aufgetreten. Ich persönlich finde es auch toll, dass ich nun auch den Google Assistant nutzen kann. So kann ich ganz leicht nach dem Wetter oder anderen Infos fragen. Auch die Möglichkeit, meine Braillezeile mit dem Handy zu verbinden, finde ich gut. Ich habe das zwar bis jetzt noch nicht genutzt, kann mir aber gut vorstellen, diese Funktion später einmal zu nutzen. Beispielsweise, wenn ich unterwegs bin und beruflich meine Mails von unterwegs aus abrufen oder eine wichtige Mail schreiben muss.

Alles in allem bin ich mit dem Smartvision2 sehr zufrieden und empfehle es jedem, der sich ein modernes Smartphone zulegen möchte, aber sich nicht an den Touchscreen herantraut. Auch ist das Handy gut für ältere Menschen geeignet. Wer jedoch ein Handy sucht, mit dem man nur telefonieren und SMS schreiben kann, für den ist dieses Gerät weniger geeignet und auch viel zu teuer.

Ein Kommentar

  • Ich finde dieses Smartphone äußerst spannend. Von so etwas habe ich immer geträumt, als ich von einem Tag auf den anderen mich in das Iphone einarbeiten musste. Mittlerweile geht es mir mit dem Iphone aber sehr gut. Allerdings fahre ich noch immer mein altes S6 mit neuer Batterie, weil ich für mich überhaupt keine Vorteile zu einem X oder XI sehe. Die sind nur teuer, riesig und sperrig. Von daher wäre das Capsys schon mal zu überlegen. Was ich mich halt frage ist, wieso dieses neue Gerät mit so einer alten Androit-Version daher kommt. Gerade seit Android zweistellig ist, hat sich so viel in der Zugänglichkeit verbessert. Es muss wohl an der alten gut abgehangenen Hardware liegen, die da drin verbaut wird. Ich hätte wirklich Angst um nachhaltigen Support, was Updates angeht. Leider wird in Blindenhilfsmittel oft wirlich veraltete Hardware verbaut. Das sieht man z. B. auch am Victor Trek. Das sollte endlich mal aufhören, Schrott in Hilfsmittel einzubauen und die dann uns teuer zu verticken. Aber, wie auch immer. Ich glaube, das neue Capsys ist ein super Konzept und kann vielen eine günstigere Alternative zum Iphone sein.

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