Handarbeiten trotz Sehbehinderung

Sticken, Nähen, Häkeln…
Ja. Es stimmt ich sehe nicht immer das Nadelöhr, ich steche mir schon mal in den Finger oder brauche länger um ein Schnittmuster erkennen zu können.
Zwischen verschiedenen Strukturen, Farben und Formen, fühle ich mich wohl. Ich nähe schon seit meinem siebten Lebensjahr an der Nähmaschine, versuche mich immer wieder am Sticken oder an anderen Handarbeiten. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass es nicht möglich sein könnte als Sehbehinderter Mensch nicht nähen zu können.

Es hat Alles mit einem kleinen Stück Stoff angefangen, auf das ich ein paar Knöpfe genäht habe, weil meine Puppe dringend eine Tischdecke gebraucht hat. Mittlerweile geht es um Schlafanzüge, Hausschuhe, Oberteile und Alles andere, worauf ich Lust habe. Wenn ich mir meine ersten Tischdecken und Kissenbezüge ansehe kann ich verstehen, warum man als Sehbehinderter nicht nähen kann. Die Farben passen nicht zusammen und die Nähte sind schiefer als schief. Aber ist das nicht bei jedem Anfänger so?

Ich habe mich von keinem gerissenen Faden und keinem gekrumpeltem Saum aufhalten lassen, es hat viel Zeit und Tipps und Tricks gebraucht, bis ich es geschafft habe, alleine eine grade Naht zu machen. Ich kann nun mal die Zentimeterangabe auf der Nähmaschine nicht erkennen, aber ich kann mir doch auch einfach eine Nadel in den Stoff stecken, an welcher Stelle ich nähen möchte.
Die beste Idee war einen Magnet an der Maschine anzubringen statt an einer, für mich nicht sichtbaren Linie, läuft mein Stoff jetzt entlang eines taktilen Magneten. Wenn mir mal die Stecknadeln runterfallen muss ich nicht auf dem Boden krabbeln, ich halte einfach meinen Magneten über den Teppich.

Das Nähen ist etwas bei dem ich kaum Einschränkungen habe, trotzdem ist es für viele unvorstellbar, wie diese „Tasche“ von einem Sehbehinderten kommen kann.

Das größte Problem habe ich beim Sticken, hier bin ich leider nie über eine Anfängerarbeit hinaus gekommen. Umso feiner die Stickereien und Stoffe werden, desto schwieriger wird es die einzelnen Löcher, Fäden und Stiche tasten zu können. Also werden eben Massenweise bestickte Lesezeichen hergestellt.

Auch beim Knüpfen und Häkeln mach ich vielleicht nicht Alles so, wie es ein Vollsehender tun würde, wahrscheinlich auch nicht ganz so schnell, aber es funktioniert.

Meine Behinderung bei Nähen und co. Ist mein Perfektionismus, och trenne auch grade Nähte wieder auf, in der Hoffnung es noch besser zu können.
Es ist schade, dass Handarbeiten aussterben und Menschen die sich damit befassen immer weniger werden. Und, dass ich als Sehbehinderte es erst recht nicht können sollte.
Das Einzige was ich zum Handarbeiten brauche ist mein Fingerspitzengefühl.

Ich bedanke mich bei der fantastischsten Handarbeitslehrerin auf der ganzen Welt, die mir in Jahre langer alles beigebracht hat, was ich wissen wollte und immer wieder Dinge zu kleinen Hilfsmitteln umfunktioniert hat.
Eure Anna.
(geschrieben von Anna)

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