Einfach empfehlenswert: „Jenseits der stille“

Eigentlich bin ich nicht so der Filmfan. Verständlich, sagen die meisten, denn ich bin ja blind und da hat man nicht so viel davon. OK, es gibt Filme mit Audiodeskription, sogenannte Hörfilme, aber auch das hat mich nie wirklich interessiert. Soweit zur regel, die durch die Ausnahme bestätigt wird.

Es ist jetzt über 20 Jahre her, dass eine Freundin mich bat, mit ihr gemeinsam „Jenseits der Stille“ anzuschauen. Ich tat es etwas widerwillig, um ihr einen gefallen zu tun. Schließlich schrieb sie gerade eine Arbeit über Gebärdensprache, die sie mir zum Korrekturlesen gegeben hatte. Und ein Film mit einer Klarinettistin war nicht uninteressant, wenn man selbst gerade das Instrument für sich neu entdeckte..

Ich erinnere mich noch wie heute, dass ich damals völlig begeistert von diesem Film war. Nicht nur die musik, die Handlung, die Charaktäre, einfach alles. Meine Freundin gab sich Mühe, mir den Film zu beschreiben und las mir die Untertitelten Passagen in Gebärdensprache vor.

Jetzt habe ich mir den Film ein zweites mal angeschaut, diesmal mit Audiodescription, d. H., ein Sprecher beschreibt im Hintergrund, was genau zu sehen ist. Vieles wird mir erst jetzt wirklich klar. Ich erlebe den Film nicht nur ein zweites mal, sondern diesmal noch mit einer zusätzlichen Schärfe und Tiefe, die mir sonst entgangen wäre.

Jetzt bin ich nicht nur begeistert von einem tollen Film, nein, ich möchte ihn auch jedem empfehlen, der ihn noch nicht gesehen hat. Hier wird nichts beschönigt, die Trennlinien zwischen Behinderten und nichtbehinderten sind klar und deutlich. Lara, ein Kind gehörloser Eltern, entdeckt die Musik für sich und möchte aufs Konservatorium, alte familiäre Wunden brechen auf, während gleichzeitig eine coming of age-Geschichte erzählt wird. „Neugierig geworden, Infos zum Film gibt’s im Wikipedia-Artikel.Jenseits der Stille“ mag ich vor allem, weil der Film Dinge beim Namen nennt. Behinderte bzw. Gehörlose werden hier nicht holzschnittartig gezeichnet und sind auch keine besseren Menschen, nichtbehinderte aber auch nicht. Jetzt bin ich selbst nicht gehörlos und zu wenig in dieser thematik, um beurteilen zu können, ob alle behinderungsspezifischen Details stimmen. Doch selbst wenn dies nicht der fall ist, ist „jenseits der stille“ einer der wenigen Filme, in denen Behinderung dargestellt wird, der ohne offensichtliche Cliches auskommt. Und wer ein gutes Beispiel für Audiodeskription sucht, wird hier auch fündig

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