Nicht mit mir, Herr Spahn!

Politiker bringen mich ja allgemein oft zur Weißglut, aber Herr Spahn treibt´s echt auf die Spitze:

 

Mit seinem neuen Gesetzesentwurf für ein „Reha- und Intensivpflegestärkungsgesetz“ (Der Name ist ein Witz!) will er nämlich festlegen, dass eine stationäre Unterbringung in speziellen Einrichtungen für alle “Versicherte mit einem besonders hohen Bedarf an medizinischer Behandlungspflege” zur Regel wird. Den genauen Gesetzestext erspar ich euch jetzt. Wer will, kann sich gern darüber informieren.

Kurz gesagt: Er will Beatmungspatienten ins Heim abschieben oder am liebsten gleich entwöhnen. Kinder und Jugendliche mit Beatmung können wohl noch zu Hause bleiben und es gibt Ausnahmen, wenn eine andere Unterbringung schlicht unmöglich oder unzumutbar ist. Doch wir wissen alle, dass diese Regelung den oftmals willkürlichen Entscheidungen von Sachbearbeitern Tür und Tor öffnet.

Warum das alles? Um zu verhindern, dass Pflegedienste sich an Beatmungspatienten eine goldene Nase verdienen, obwohl sie mit der richtigen Therapie vielleicht schon längst hätten entwöhnt werden können.

 

Ich zähle euch jetzt mal einige (unsortierte) Gründe dafür auf, warum ich gegen dieses bescheuerte Gesetz bin:

 

  • Ich bin 19 Jahre alt, habe gerade mein Abitur gemacht und werde mein Leben garantiert nicht – egal was irgendein Gesetz sagt – in einem überfüllten, unterbesetzten Heim fristen. Dort ist eine Pflegekraft nämlich für mehrere Patienten zuständig und ich müsste jedes Mal warten, bis jemand mal für mich Zeit hätte. Mein halber Tag bestünde aus Warten. Das wäre Zeit, in der ich Besseres zu tun hätte.
  • Ich will bitteschön schlafen und essen, wann ich will. Und nicht dann, wenn der Plan des Heims das vorsieht.
  • Ich will selbst bestimmen, wo und wie ich lebe.
  • Die letzten Punkte kann man, etwas galanter formuliert, auch in den Grundrechten finden: Schutz der Menschenwürde (Artikel 1), freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Freiheit, seinen Aufenthaltsort selbst zu bestimmen (beides Artikel 2)
  • Außerdem ist das Wichtigste für kranke oder behinderte Menschen doch immer Beständigkeit und ein angenehmes Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen. Wo bekommt man das mehr als in der eigenen Häuslichkeit?
  • Ein Heim wäre mein sicherer Tod. Zum Einen würde die Qualität der Pflege unter der Überforderung der Pflegekräfte, die sich schließlich nicht zerteilen können, leiden. Zum Anderen kann ich bei einem Notfall nicht warten. Da zählt jede Sekunde und ich wette, in einem Heim würde man noch nicht mal mitkriegen, wenn bei mir was nicht stimmt.
  • Wo will Herr Spahn die vielen Beatmungspatienten überhaupt unterkriegen? So viele Heimplätze gibt es gar nicht.
  • Ich sehe schon die Dollarzeichen in Herrn Spahns Augen. (Er ist gelernter Bankkaufmann.) Er will schlicht und einfach Pflegekräfte und somit Geld sparen. Aber Beatmungspatienten sind nicht nur eine Zahl in seiner schlauen Rechnung. Das sind Menschen. Und die sind wichtiger als Geld.
  • Herr Spahn kann auch nicht gesetzlich festlegen, dass alle Beatmungspatienten dann einfach entwöhnt werden. Das kann er bei mir ja gern mal versuchen, aber ab einem gewissen Stadium ist es für viele Beatmungspatienten schlicht nicht mehr möglich, ohne Beatmung zu leben.
  • Eine besonders fiese Kleinigkeit: Kinder und Jugendliche sind zwar von der Regelung ausgenommen, aber die haben es so an sich, dass sie auch mal erwachsen werden. Kriegen die dann von Herrn Spahn zum 18. Geburtstag eine Fahrt ins Heim (ohne Rückfahrschein)? Das ist doch ein grausames Geburtstagsgeschenk.
  • Apropos grausam: Die Aussicht, ins Heim zu müssen, ist für die meisten Betroffenen psychische Folter. Ich habe schon oft gelesen, dass Beatmungspatienten unter diesen Bedingungen gar nicht mehr leben wollen.
  • Und wenn wir zu guter Letzt nochmal schauen, was das eigentliche Ziel des Gesetzes ist (siehe oben): Eine genauere Kontrolle der Pflegedienste täte es auch. Außerdem muss man immer den Einzelfall betrachten und darf niemals alle über einen Kamm scheren.

 

Wer genauso denkt wie ich, kann gern diese Petition unterschreiben: https://www.change.org/p/lasst-pflegebed%C3%BCrftigen-ihr-zuhause-stoppt-das-intensivpflegest%C3%A4rkungsgesetz-jensspahn-bmg-bund

Um dieses Gesetz durchzukriegen, muss Herr Spahn nämlich erstmal an uns vorbei.

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