Lormen: Eine handfeste Kommunikationsform

Das LormalphabetDas Lormalphabet (Quelle: Wikipedia)

Das Lormen, oder auch Lormalphabet, ist eine Kommunikationsform für Taubblinde. Diese ist sowohl für „Gespräche“ zwischen Taubblinden untereinander als auch für die Kommunikation von taubblinden mit nicht taubblinden Menschen geeignet. Entwickelt wurde das System im 19. Jahrhundert von Hieronymus Lorm, ein Pseudonym des Autors Heinrich Landesmann.

Wie bin ich auf das Lormen gestoßen?

Als es mit meinem Gehör zunehmend bergab ging (so 2011-2013 etwa), begann meine Mutter damit, sich nach alternativen Kommunikationsformen umzusehen. Dabei stieß sie auch aufs Lormen. Ich eignete mir das relativ schnell an – es war nützlich insbesondere für das Vermitteln kurzer Sätze.

Je schlechter ich hören konnte, desto wichtiger wurde das Lormen. Da ich zuerst erblindet bin und erst später (mit sieben) schwerhörig geworden bin, beherrschte ich keine Gebärdensprache. Ungewöhnlich für Taubblinde. Deswegen wurde das Lormen schnell zu meiner zentralen Kommunikationsform, sofern keine Tastatur in der Nähe war, über die man auf meinem Smartphone schreiben könnte.

Wie funktioniert das Lormen?

Jedem Buchstaben wird im Grunde eine geste auf der Hand zugewiesen. Der „Zuhörer“ oder „Leser“ dreht seine Handfläche (meitt die linke) nach oben, und der „Sprecher“ führt die Gesten aus. Alle Vokale liegen beispielsweise auf den Fingerspitzen und werden durch einmaliges Tippen auf diese Fingerspitze signalisiert. T, B, D, G und H sind beispielsweise Striche von oben nach unten auf Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger etc. Es gibt dazu auch eine Eselsbrücke: Tante Berta Darf Gustav Heiraten. Einzelne Worte werden durch Klopfen auf die Handfläche cit der flachen Hand abgetrennt. Dies ist allerdings optional, manche Taubblinde brauchen keine solche Abtrennung. Das bisher eingegebene wird durch Wischen auf der Hand „gelöscht“, und falls der „Leser“ nicht verstanden hat, krümmt er oder sie die Finger.

Das vollständige Lorm-Alphabet

Buchstabe Geste
A Einmaliges Tippen auf die Daumenspitze
B Streichen über den Zeigefinger von der Spitze zum Ansatz
C Einmaliges Tippen auf die Handwurzel zwischen äußerem und innerem Handballen
D Streichen über den Mittelfinger von der Spitze zum Ansatz
E Einmaliges Tippen auf die Spitze des Zeigefingers
F Umfassen von Zeige- und Mittelfinger mit zwei Fingern
G Streichen über den Ringfinger von der Spitze zum Ansatz
H Streichen über den kleinen Finger von der Spitze zum Ansatz
I Einmaliges Tippen auf die Spitze des Mittelfingers
J Doppeltipp auf die Spitze des Mittelfingers
K Gleichzeitig mit vier Fingern auf die Handfläche tippen
L Streichen von der Spitze des Mittelfingers zur Handwurzel
M Einmaliges Tippen unterhalb des Ansatzes vom kleinen Finger
N Einmaliges Tippen unterhalb des Ansatzes vom Zeigefinger
O Einmaliges Tippen auf die Spitze des Ringfingers
P Streichen vom Ansatz zur Spitze außen am Zeigefinger
Q Streichen vom Ansatz zur Spitze außen am kleinen Finger
R Tippen mit vier fingern nacheinander auf die Handfläche
S Einen Kreis auf die Handfläche zeichnen
T Streichen von der Spitze zum Ansatz des Daumens
U Einmaliges Tippen auf die Spitze des kleinen Fingers
V Einmaliges Tippen auf den Handballen beim Daumen
W Doppeltipp auf den Handballen beim Daumen
X Horizontales Streichen von Handballen zu Handballen
Y Horizontales Streichen unterbalb vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger
Z Diagonales Streichen vom Handballen beim Daumen zum Ansatz des kleinen Fingers
Ä Doppeltipp auf die Spitze des Daumens
Ö Doppeltipp auf die Spitze des Ringfingers
Ü Doppeltipp auf die Spitze des kleinen Fingers
CH Ein X auf die Handfläche zeichnen
SCH Zeigefinger bis kleinen Finger mit zwei Fingern umfassen
ST Streichen vom Ansatz zur Spitze außen am Daumen

Welche Vorteile hat Lormen?

Es ist relativ leicht zu erlernen, wenn man es regelmäßig nutzt. Zudem ist es eindeutiger als das Fingeralphabet, wo sich einige Buchstaben taktil relativ ähneln (der einzige Unterschied zwischen T und G ist beispielsweise der Daumen auf dem Ansatz des Zeigefingers beim T). Dadurch ist es für Taubblinde, die nicht ans Fingeralphabet gewöhnt sind, schneller. Lormen ist zudem von technischen Hilfsmitteln unabhängig.

Nachteile

Das Lormalphabet ist langsamer als taktile Gebärden, da man Buchstabe für Buchstabe alles „schreiben“ muss. Auch ist es unangenehm, wenn der Gesprächspartner (oder man selbst) dreckige Hände hat. Zudem ist es auf Dauer anstrengend, wenn man nicht ans Lormen gewöhnt ist.

Fazit

Lormen ist eine gute Alternative zum Fingeralphabet der taktilen Gebärdensprache. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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