„Durch Sport zur Inklusion“. Warum Rollstuhlbasketball viel mehr als nur ein einfacher Sport ist.

In meinem ersten Beitrag „zur Vorstellung“, habe ich ja bereits erwähnt, dass ich schon seit vielen Jahren Basketball spiele.

In diesem Beitrag möchte ich euch meinen Sport etwas näher bringen und erklären, weshalb ich ihn  nicht nur für mich sondern generell für viele Menschen mit Behinderung als perfekten Alltags-ausgleich und eben auch einen großen Schritt hin zur Inklusion ansehe.

Ich habe 2006 mit dem Rollstuhlbasketball  angefangen. Dabei war die ganze Geschichte allerdings ein ziemlicher Zufall.

Damals war ich 9 Jahre alt und meine Eltern wollten unbedingt, dass ich mehr in Bewegung bin und Sport mache. Gleichzeitig sollte es mir auch helfen neue soziale Kontakte zu knüpfen.

So meldeten sie mich kurzerhand bei einer kleinen Gruppe an, die aber eigentlich nur allgemein ein wenig Sport im Rollstuhl machte. Es ging vorrangig darum den Umgang mit dem Rollstuhl noch besser zu lernen und ein paar wichtige Grundlagen zu verinnerlichen (zum Beispiel wie man mit einem Rollstuhl über kleinere Kanten kommt durch das leichte ankippen  der Vorderräder).

Kurz nachdem ich dazu gestoßen war, wurden wir von einer Bekannten aus der Gruppe angesprochen, ob ich mich nicht für Basketball interessieren würde.

Ich war zunächst noch sehr skeptisch. Doch  meine Eltern haben mich schließlich überredet, dass wir uns einfach mal ein Spiel ansehen sollten um zu schauen, ob mich das ganze nicht vielleicht doch interessieren könnte.

So kam es, dass wir schließlich zu einem Spiel der „Hot Rolling Bears“ fuhren. Zu diesem Zeitpunkt in der drittklassigen Regionalliga aktiv und dankenswerterweise auch noch in meiner Heimatstadt Essen ansässig.

Das Spiel hat schnell seine Faszination auf mich übertragen. Es war ein unglaubliches Tempo, mit dem auf dem Spielfeld zur Sache gegangen wurde. Die Kontrolle, welche die Sportler im Umgang mit ihren speziell angefertigten Sportstühlen hatten, hinterließ bei mir starken Eindruck.

Aber es gab etwas, das mich im Nachhinein noch viel viel tiefer beeindruckt hat. Ich habe diese Szene bis heute noch genau vor Augen und werde sie wahrscheinlich auch nie vergessen:

Es muss kurz vor der Halbzeitpause gewesen sein. Ein Spieler der „Bears“ lieferte sich gerade einen harten Zweikampf mit seinem Gegenspieler. Die Rollstühle der beiden, befanden sich in hohem Tempo und waren sehr eng beieinander. Dann plötzlich passierte etwas, das bei unserem Sport sehr schnell und fast in jedem Spiel mindestens dreimal abläuft.

Die Räder der beiden Sportstühle verhakten sich miteinander und als beide Spieler versuchten sich wieder daraus zu befreien, stürzte einer mit seinem gesamten Rollstuhl um, und krachte voll mit der Seite auf den Hallenboden.
Meine Mutter saß vollkommen geschockt auf der Tribüne und ich hab ihr angesehen, dass sie sofort helfen wollte, weil sie dachte es wäre was richtig schlimmes passiert.

Doch im nächsten Moment löste der gestürzte Spieler den leichten Sicherheitsgurt um seine Beine, stand einfach auf, stellte den Sportstuhl wieder normal auf die Räder und setzte sich ohne weiteres wieder hinein. Die beiden Kontrahenten klatschen sich kurz ab und lachten sogar kurz miteinander. Kein böses Blut, keine Beschimpfungen, nichts! Und für mich noch wichtiger zur Erklärung: im Rollstuhlbasketball spielen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Es wird kein großer Unterschied  gemacht. In meinem Team haben sogar aktuell mehr Spieler keine körperlichen Einschränkungen als anders herum.

Der Rollstuhlbasketball ist ein absolut inklusiver Sport und das schon seit Jahrzehnten. Lange bevor das Thema der Inklusion im großen Rahmen aufgegriffen wurde.

 

Das war dann aber auch erst mal mein Beitrag. Er ist doch schon etwas länger geworden als ich gedacht hätte. Ich denke ich werde daraus eine ganze Reihe von Beiträgen machen um euch meinen Sport und meine Leidenschaft für ihn näher zu bringen.

ich würde mich sehr über Feedback zu diesem Beitrag freuen. Sehr gerne können wir uns dann auch mal austauschen.

Vielleicht gibt es für euch ja auch noch einen anderen Sport, der den Gedanken der Inklusion stark vorantreibt oder ihr habt andere Situationen von denen ihr mir im Zusammenhang mit meinem Beitrag berichten wollt.

 

 

 

 

 

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