Hodor, der PTBS-Assistenzhund

Mein Name ist Marisa. Meine Kindheit und Jugend verlief leicht unglücklich und war von psychischem und sexuellem Missbrauch begleitet. Nun stehe ich hier, als erwachsene Frau von 32 Jahren und lebe mit PTBS, Depressionen, Angststörungen, einer Essstörung und Depersonalisationen. Mein Hund Hodor wird in wenigen Tagen 2 Jahre alt und ist seit er ein Welpe ist an meiner Seite. Er hilft mir, meinen Alltag zu bewältigen, denn Hodor wird seit Dezember letzten Jahres zum PTBS Assistenzhund ausgebildet.

Aber was ist das eigentlich, eine PTBS?
Das ist die Abkürzung für eine posttraumatische Belastungsstörung, manchmal auch als Traumafolgestörung besser bekannt. Kurz erklärt ist das eine Reaktion (Alpträume, Flashbacks = Wiedererleben der Tat, Ängste, Schlaflosigkeit, Anpassungsstörungen u.v.m) auf ein traumatisches Erlebnis, wie z.B. Missbrauch, Kriegserfahrungen oder dergleichen. Menschen mit PTBS können “nicht einfach” die Tat vergessen sondern erleben sie immer wieder aufs Neue. Deswegen ist unser Leben so eingeschränkt und oft nur sehr schwer zu händeln.

Hier kommt Hodor ins Spiel. Er lernt, diese Panikattacken und dissoziativen Zustände frühzeitig anzuzeigen, damit ich überhaupt die Möglichkeit habe rechtzeitig einzugreifen – sei es durch Bedarfsmedikation, Entspannungsübungen, Ortswechsel oder ähnliches. Außerdem ist er mein ständiger Begleiter und gibt mir so ein Gefühl der Sicherheit, durch ihn schaffe ich es inzwischen nach Jahren ‘allein’ (=mit Hodor) einkaufen zu gehen. Er ist da für mich und bemerkt, sobald es mir schlechter geht. Dann zieht er mich zu einer Sitzgelegenheit, einem Ausgang oder einfach aus der aktuellen Situation heraus in eine nicht so belebte Ecke. Außerdem bringt er mir meine Notfallmedikamente, wenn ich durch die dissoziativen Zustände nicht mehr selbst dazu in der Lage bin, diese zu holen.

Das alles lernt Hodor in einer speziellen Ausbildung für Assistenzhunde. Ich treffe mich einmal die Woche mit meiner Trainerin, die unseren aktuellen Trainingsstand abfragt, Hilfestellung und Anleitung gibt und mich dann mit Hausaufgaben versorgt. Ich habe extra diese selbstständige Form der Ausbildung gewählt, damit ich eine Aufgabe habe und weil ich schon Erfahrungen mit Hunden hatte. Am Ende der Ausbildung kann man eine Prüfung ablegen. Leider gibt es hier noch keine handfeste Regelung in Deutschland, genauso was eigentlich alles rund um den Assistenzhund angeht. Zwar sind diese schon teilweise als Hilfsmittel anerkannt, aber im Grunde ist man immer auf das Verständnis des jeweiligen Gegenübers (z.B. Filialleiter eines Geschäfts, Arzt o.ä.) angewiesen.

Die Kosten für die Ausbildung und Anschaffung eines Assistenzhundes übernimmt die Krankenkasse leider nicht. In meinem Fall wird die Ausbildung inzwischen durch Spenden finanziert, zu Anfang habe ich die Stunden selbst finanziert. Die Ausbildungskosten sind vollkommen unterschiedlich und richten sich nach dem Bedarf, der herrscht. In meinem Fall zahle ich einen Stundenpreis und je nachdem, wie viel wir benötigen werden sich die Kosten belaufen. Insgesamt werde ich aber mit Anschaffungskosten wohl so bei 3000-5000 Euro liegen.

In der Zeit, in der Hodor arbeitet ist er mittels einer auffälligen Kenndecke gekennzeichnet. Auf dieser steht drauf, dass er ein Assistenzhund ist und dass man ihn bitte nicht streicheln oder ansprechen sollte. Leider kommt es trotzdem immer wieder zu solchen Fällen, was unser Training nicht gerade vereinfacht. Aber das liegt leider an der fehlenden Aufklärung über die Wichtigkeit der Arbeit dieser Hunde. Vielen ist der Blindenführhund bekannt, aber von Assistenzhunden haben viele noch nie etwas gehört. Deswegen liegt es (leider) an den Betroffenen selbst, die Gesellschaft darüber aufzuklären. Ich persönlich mache das ganz gern, wobei es auch viel von einem abverlangt und durch die Krankheit nicht immer möglich ist. Deswegen trage ich immer Flyer bei mir, wo drauf ein paar Tipps im Umgang mit Assistenzhunden vermerkt sind (z.B. dass man den Hund nicht ansprechen, nicht ablenken, nicht füttern soll…dass man ihn am besten weitestgehend ignorieren sollte usw). Auch verweise ich dort auf meine Seite bei Facebook, die zusätzlich zur Aufklärung beiträgt. Dort erzähle ich von meinem Alltag und unserem Training.

Im Grunde genommen wünsche ich mir einen achtsameren Umgang mit Menschen wie mir. Zu oft noch werden wir, gerade in Begleitung mit Assistenzhund, schief angeschaut oder es fallen sogar dumme und böse Bemerkungen “wo is die denn bitte sehr behindert?”. Ja, Menschen mit psychischen Erkrankungen sind auch “behindert”! Man sieht es nunmal nur nicht. Und ein Assistenzhund kann wunderbare Hilfe leisten, wie man in meinem Fall sieht.

(geschrieben von Marisa)

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